Donnerstag, 13. Mai 2010

Gedanken zu "Die Liebe Gottes" von John MacArthur

Stellen, die mich beeindruckt haben, zum Teil kommentiert:
"Beeinflusst von der modernen liberalen Theologie, meinen viele, Gottes Liebe und Güte würden letztendlich seine persönliche und richterliche Gerechtigkeit und seinen heiligen Zorn aufheben. Sie stellen sich Gott als sanftmütigen himmlischen Großvater vor – tolerant, harmlos, milde, großzügig, ohne wirkliches Missfallen an Sünde, der ohne Rücksicht auf seine Heiligkeit großmütig über Sünde hinwegsieht und die Menschen so nimmt, wie sie sind."
Die Vorstellung gefällt mir zwar, aber entspricht eben so naiv nicht meiner Erfahrung. "Liebe" erschöpft sich nicht im Nettsein und hat schon gar nichts mit einer als Beliebigkeit verstandenen Toleranz oder gar einer Toleranz, die das Nichttolerierbare toleriert zu tun.
"Zum Beispiel betonen unsere Widersacher, die liberalen Theologen, mit großem Nachdruck, dass Gott Liebe ist; doch oft leugnen sie in Bausch und Bogen die Bedeutung von Jesu stellvertretendem Sühn-opfer. Sie meinen, weil Gott Liebe ist, hätte Christus nicht wirklich als stellvertretendes Opfer sterben müssen, um Gottes Zorn von Sündern abzuwenden. Sie beschreiben Gott als jemanden, der leicht zu besänftigen ist und charakterisieren Jesu Tod als Martyrium oder als ethisches Vorbild für Gläubige. Dabei leugnen sie, dass es Gottes eigener Zorn war, der durch ein blutiges Opfer gestillt werden musste und streiten ab, dass er gerade deshalb seinen Sohn gab, um ein solches Sühnopfer zu bringen. Damit verwerfen sie den höchsten Erweis der Liebe Gottes, während sie andererseits versuchen, die Liebe Gottes zum Dreh- und Angelpunkt ihres Systems zu machen."
Nein, ich glaube nicht, dass Gott das blutige Opfer gebraucht hat. Das blutige Opfer ist eine Konsequenz der menschlichen Sünde und Schuld. Es ist eine Tatsache. Denn Menschen gehen unmenschlich miteinander um. Gott will dem ein Ende setzen. Der Kreuzestod Jesu gehört zur Menschwerdung Gottes, zum Sichhineinbegeben in seine Schöpfung, zum Mitleiden, das Erlösung bringt. Statt Gottes Zorn sehe ich Gottes Trauer im Kreuzestod Jesu. Die Propheten kündigen Gottes Zorn an, die Apokalypse kündigt den Zorn Gottes an. Gottes Gerechtigkeit ist nicht leicht zu haben. Aber es ist der Gerechtigkeit Gottes genüge getan, nicht durch die Menschen, sondern durch Gott selbst. Dies ist durch die Auferstehung offenbart worden, durch die leibliche Auferstehung des Gottessohnes. Für uns Menschen ist Gottes Sohn gestorben, damit wir die Gerechtigkeit und die Rechtfertigung erkennen können. In der Annahme des Opfertodes, in der Annahme der Person des Opfers, nicht in der Annahme einer Opferleistung, offenbart sich die Liebe Gottes.

Das Sühnopfer Jesus Christ - eine der biblischen Deutungsmöglichkeiten der Kreuzigung - ist ein Opfer für die Menschen, für die Gläubigen. Das Sühnopfer  hat die Rechtfertigung vor Gott bewirkt, die aus menschlicher Kraft nicht möglich ist.

Aber Sühnopfer als einzige Möglichkeit,  sodass dem Gerechtigkeitssinn Gottes genüge getan wird? Das Opfer macht Sinn, wenn Gott selbst sich opfert durch seinen Sohn. Dieses Opfer ist aber genauso ein Akt der Liebe wie der Gerechtigkeit. Das Opfer dient nicht bloß der Besänftigung eines zornigen Gottes.


"Wir können die schwierige Frage über Gottes Liebe einfach nicht durch die Schlussfolgerung lösen, dass Gott seine Güte, Gnade, sein Wohlwollen und Mitgefühl allen vorenthalte außer den Erwählten. So müssen wir die Allversöhnung, die Vernichtungslehre und die Lehre der bedingten Unsterblichkeit ablehnen. Aber wir müssen ebenfalls die Auffassung zurückweisen, dass Gottes Hass auf die Gottlosen jegliche Liebe zu ihnen ausschließe. Wie aber sollen wir nun die schwierige Frage über Gottes Liebe beantworten?"
- hier bleibt die Frage im Text offen

"Andere leugnen, dass Gott tatsächlich jemanden hasst. Sie sagen, Gott hasse die Sünde, aber nicht den Sünder. Das ist jedoch eine falsche Zweiteilung. Wir müssen bedenken, dass es der Sünder selber ist, der gerichtet und verdammt und bestraft wird. Würde Gott nur die Sünde und nicht den Sünder hassen, würde er die Sünde von der Person entfernen und den Sünder erlösen, anstatt die ganze Person in die Hölle zu werfen (Mt 5,29; 10,28). Die Hölle ist schließlich der ultimative Ausdruck von Gottes Hass. Gott hasst den verdorbenen Sünder in einem sehr realen und erschreckenden Sinn."

"Der Erlösungsplan wurde nicht erst nach dem Sündenfall entworfen, sondern noch vor Anbeginn der Schöpfung. Das steht in Übereinstimmung mit allem, was die Bibel über die Erwählung sagt."

"Gott drängt auch niemandem seinen Willen auf, indem er dem Willen des Geschöpfes Gewalt antäte. Die Ausführung seines ewigen Planes beschränkt in keiner Weise unsere Entscheidungsfreiheit und vermindert nicht unsere Verantwortung für falsche Entscheidungen. Niemandem wird Unglaube aufgezwungen. Wer in eine christuslose Ewigkeit hinabfährt, trifft seine eigene Entscheidung in Übereinstimmung mit seinen eignen Wünschen. Er steht von Gott her unter keinerlei Zwang zu sündigen. »Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand« (Jak 1,13). Wer für sich den Unglauben wählt, trifft diese Wahl in voller Einstimmung mit seinen eigenen Wünschen."



Zusammenfassung:

Zwei Varianten von Gottes Liebe:
a) zu den Erwählten,
b) zu allen Menschen.

Daher ist für Mac Arthur die Evangelisation wichtig, so dass so viel wie möglich die Botschaft Gottes von der Offenbarung durch Jesus Christus hören. In unserer Zeit ist die Welt soweit zusammengerückt, dass tatsächlich nur wenige wohl noch nie etwas vom Christentum gehört haben. Aber: Ist ihnen die gesamte Botschaft mitgeteilt worden? Haben alle eine echte Chance durch Christen erhalten? Sollen die anderen darunter leiden, dass die Christen nicht genug die Botschaft bekannt machen? In der Realität von anderen Informationen, von Bildungschancen, vom Handel mit Wirtschaftsgütern ist das so. Ist das die Vorherbestimmung Gottes, wer seine Botschaft hören darf und wer nicht? Wenn das so ist, müssen in der Tat erwählte Christen und nichtinformierte andere Menschen verschieden behandelt werden. Die erwählten Christen stehen auch vor Gericht und werden hart beurteilt, denn ihr Verdienst ist die Erwählung nicht, wohl aber eine Aufgabe. Das Heil mag ihnen gewiß sein, aber im Bewußtsein ihrer Schuld. Die anderen Menschen werden "nur" nach dem Gesetz, also ethischen Normen beurteilt. Haben Sie noch eine Chance auf Heil? Dazu tendiere ich. Das hat nichts mit einer leichten Allversöhnertheorie zu tun, in dem Sinne, dass ich erstens selbst so viel weiter sündigen kann wie ich will, ohne Frucht zu bringen und auch nichts damit, dass ich mich nicht bemühen muss, das Evangelium zu verkünden. Diese Aufgaben bleiben. Gerade weil Gott erwählt, entscheiden nicht menschliche Maßstäbe. Ich kann nicht beurteilen, ob Gott einen anderen bestimmten Menschen rettet. Eigene Heilsgewißheit als Vertrauen in Gott ist etwas anderes, als bei anderen erkennen zu können, dass Gott sie nicht erwählt hat. Das Urteil bleibt Gott vorbehalten. Alle Menschen haben die Chance, spätestens vor Gericht Jesus Christus kennenzulernen. Es gibt keine Gewißheit der Allversöhnung, aber warum nicht darauf hoffen, ohne deswegen im Bemühen um die Botschaft nachzulassen?
Und es bleibt natürlich in der Tradition der Propheten unsere Pflicht, mit gerechtem Zorn das sündige  und schuldhafte Verhalten unserer Mitmenschen zu benennen und sie davon abzubringen, soweit es unsere Kräfte vermögen. Hier heißt wirklich Gottes Liebe durch Gottes Zorn predigen. Aber wird man nicht erst empfänglich für Gottes Zorn, wenn man Gottes Liebe erfahren hat? Liebe und Zorn gehören zusammen. Die Reihenfolge der Verkündigung wird durch Situation und Person bestimmt.