Glaubenstatsachen:
Auch für mich beruht mein Glaube auf Tatsachen, auf Erfahrungen von anderen Menschen, auf Heilszusagen, auf Offenbarungen, auf eigenen Erfahrungen.
Aber das leere Grab als Beweis?
Die Erscheinung vor 500 Zeugen als Beweis?
Das Grab eines Reichen wie in Jes. 53?
Wozu sollen Beweise im modernen wissenschaftlichen Sinn für den Glauben überhaupt gut bzw. notwendig sein?
Für mich ist die Kreuzigung und Auferstehung des menschgewordenen Gottes eine Offenbarung des Willens und der Macht Gottes: Gerechtigkeit, Vergebung, Versöhnung, Gnade, Leben, Aufhebung der Trennung zwischen Gott und Mensch, Gott und seiner Schöpfung, Aufhebung des Leids durch Mitleid und Selbstopferung, Befreiung von der Macht der Sünde. Es ist bereits geschehen in einem einmaligen Akt. Darauf beruht meine Heilsgewißheit: Das Heil selbst hängt nicht von mir und meiner Leistung, selbst nicht von meinem Bemühen ab. Das Heil selbst ist da und wir können bereits jetzt daran teilhaben, auch wenn die Vollendung für uns noch aussteht. Gott ist nicht unnahbar fern, sondern bei uns. Gott ist gegenwärtig in seiner Schöpfung und steht nicht über ihr.
Ich vertraue den Worten der Bibel, weil mich eine Predigt über biblische Aussagen angesprochen hat.
Das Verhalten der Jünger nach Jesu Tod: zunächst Trauer und Lähmung und später Weiterführung der Botschaft Jesu unter Betonung, dass Jesus lebt, finde ich gar nicht erstaunlich. Dazu braucht es keine Erfahrung der Auferstehung. Die Erfahrung der Auferstehung bekräftigt dies (allerdings oder ledglich?).
Einige Jünger hatten sich eventuell eine nach außen siegreiche und erfolgreiche Mission von Jesus vorgestellt und waren zunächst enttäuscht - allerdings habe ich auch keine Aussagen von Enttäuschung in der Bibel gesehen, dieses Motiv scheint mir immer untergeschoben. Menschliche Trauer reicht mir als Erklärung für das Verhalten der Jünger bis zur Erfahrung der Auferstehung vollkommen aus.
Das Bewegungen nach einem Märtyrertod eine neue Lebendigkeit entfalten ist auch nicht einmalig in der Geschichte der Menschen.
Gerade durch Jesaja 53 wird deutlich, dass auch dem Judentum und damit sowohl Jesus als auch den ersten Jüngern der Gedanke vertraut war, dass nicht die nach außen strahlenden und siegreichen die wahren Sieger sind.
Nicht nur ich bin skeptisch gegenüber allzu strahlenden menschlichen Helden. Gerade die Selbsthingabe überzeugt doch - mich vielmehr als ein blutiges Sühnopfer oder ein geschlachtetes Lamm - diese Bilder kann ich aber im Rahmen der umgedeuteten Passahtradition akzeptieren.
Auch die Stellvertretung, die der Koran nicht akzeptiert, kann ich mir gut vorstellen. Mit der Stellvertretung der Schuldübernahme wird nicht die Verantwortung für die eigene Schuld aufgehoben. Eltern können und müssen im Zivilrecht die Schuld für ihre Kinder übernehmen. Mein Konfirmationsspruch heißt: "Einer trage des anderen Last...". Das ist mehr als der bloße Appell einander zu helfen. Und ich spüre es doch auch, wie mich die Last, die Sorgen und Probleme meiner Angehörigen belasten, wie ich soviel mitleide, dass ich kaum Kraft habe, auszuhalten, zu ermutigen, zu beruhigen. Gleichzeitig tragen meine Angehörigen meine Sorgen und Lasten mit, unterstützen, beruhigen und ermutigen mich. Diese menschlichen Erfahrungen lassen mich auch darauf vertrauen, dass Jesus Christus stellvertretend für mich und alle Menschen die Sünde - die Gottesferne, den Widerstand gegen Gottes Willen, die Selbstgerechtigkeit, die Ohnmacht - auf sich nimmt und entmachtet.
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